Make.com für Anfänger: Erste Automatisierung in 30 Minuten
3,1 Millionen Nutzer, 5,6 Milliarden automatisierte Abläufe allein 2024 (Make 2024 Wrap-Up). Und nein, das sind nicht nur Konzerne mit eigener IT-Abteilung. Ein großer Teil davon: kleine Unternehmen und Selbständige, die keine Lust mehr haben, Formulare abzutippen und Kontaktanfragen per Hand weiterzuleiten.
Genau da setzen wir an. In den nächsten 30 Minuten bauen Sie Ihren ersten automatischen Workflow. Kein Code, keine Vorkenntnisse. Am Ende läuft die Sache von allein.
Mehr zum Thema: KI-Automatisierung für KMU im Überblick | Unsere Automatisierungs-Leistungen
TL;DR: Make.com verbindet 2.100+ Apps visuell miteinander, ohne Code. In diesem Tutorial bauen Sie Schritt für Schritt eine Automatisierung: Kontaktformular ausgefüllt, Daten landen in einer Tabelle, Sie bekommen eine E-Mail. 30 Minuten, fertig.
Was ist Make.com und warum nutzen es so viele?
Make.com verbindet über 2.100 Apps miteinander, ohne eine Zeile Code. Sie ziehen Bausteine ("Module") auf eine Arbeitsfläche, verbinden sie, und der Rest passiert automatisch.
So funktioniert der Builder
Sie haben eine Arbeitsfläche im Browser. Darauf ziehen Sie Module. Ein Modul kann "Google Form auslesen" sein, ein anderes "Zeile in Google Sheets schreiben", ein drittes "E-Mail versenden". Die Module verbinden Sie mit Linien, Make.com arbeitet sie der Reihe nach ab.
Kein Terminal, keine Installation. Wer mit Canva umgehen kann, kommt auch mit Make.com zurecht.
Warum nicht Zapier?
Zapier ist bekannter, stimmt. Aber Make.com kann etwas, das Zapier nicht gut kann: echte Verzweigungen und Schleifen. Sobald Ihr Workflow mehr als "wenn A, dann B" können soll, wird es bei Zapier schnell teuer. Ich habe beide Plattformen in über 50 Kundenprojekten eingesetzt und greife fast immer zu Make.com, wenn ein Workflow mehr als drei Schritte hat. Die visuelle Darstellung macht die Fehlersuche auch einfacher.
Das ist übrigens kein Nischenthema: 87% der Enterprise-Entwickler arbeiten inzwischen mit Low-Code- oder No-Code-Plattformen (Forrester, 2025), und Gartner rechnet damit, dass bis 2026 rund 70% aller neuen Unternehmensanwendungen so entstehen (Gartner, 2025).
Was kostet Make.com für KMU?
Make.com hat einen dauerhaften Free-Plan mit 1.000 Operationen pro Monat. Für die meisten KMU ist der Core-Plan ab $10,59/Monat der sinnvolle Einstieg: 10.000 Operationen, unbegrenzte aktive Szenarien (Make).
Die vier Pläne im Überblick:
Free -- 1.000 Operationen/Monat, 2 aktive Szenarien. Reicht für dieses Tutorial und zum Testen.
Core ($10,59/Monat) -- 10.000 Operationen, unbegrenzte Szenarien. Für die meisten Einsteiger der passende Plan.
Pro ($18,82/Monat) -- Wie Core, mit Priority-Ausführung und besserer Log-Suche. Lohnt sich ab 10+ Szenarien.
Teams ($34,12/Monat) -- Pro plus Teamverwaltung mit Rollen und geteilten Szenarien.
Was zählt als "Operation"?
Jedes Mal, wenn ein Modul eine Aktion ausführt, verbrauchen Sie eine Operation. Ein 3-Modul-Szenario (Formular lesen, Daten speichern, E-Mail senden) verbraucht also 3 Operationen pro Durchlauf. Mit den 1.000 Operationen im Free-Plan kommen Sie auf rund 330 Durchläufe pro Monat. Für den Anfang völlig ausreichend.
Laut McKinsey erzielen 60% aller Automatisierungsprojekte innerhalb von 12 Monaten einen positiven ROI (McKinsey, 2025). Bei unter 11 Dollar im Monat ist das Risiko überschaubar.
Wie erstellen Sie Ihr Make.com-Konto?
Was Sie brauchen: ein Make.com-Konto (kostenlos unter make.com, keine Kreditkarte nötig), eine E-Mail-Adresse zum Testen, ein Google-Konto für Forms und Sheets (empfohlen, nicht zwingend) und 30 Minuten ungestörte Zeit.
Die Registrierung dauert zwei Minuten. Das Dashboard wirkt danach voller als es ist. Lassen Sie sich nicht abschrecken.
Registrierung
- Auf make.com gehen, "Get started free" klicken
- Mit E-Mail oder Google-Konto registrieren
- E-Mail bestätigen
Sie landen direkt im Dashboard.
Drei Bereiche, die Sie kennen sollten
Scenarios ist Ihr Hauptarbeitsbereich. Hier erstellen und verwalten Sie Ihre Automatisierungen.
Templates sind vorgefertigte Szenarien. Über 1.800 Stück. Gut zum Stöbern, aber wir bauen heute von Grund auf.
Connections zeigt alle Verbindungen zu Ihren Apps. Einmal verbunden, können Sie eine App in beliebig vielen Szenarien verwenden.
Vier Begriffe, die immer wieder auftauchen
- Szenario = ein kompletter Workflow (wie ein Rezept)
- Modul = ein einzelner Schritt im Szenario (z.B. "E-Mail senden")
- Operation = jede Ausführung eines Moduls verbraucht eine Operation
- Connection = die Verbindung zu einer externen App (Google, Slack, etc.)
Ein Tipp, den ich mir gewünscht hätte: Benennen Sie jedes Szenario sofort vernünftig. "Kontaktformular -> Sheets + Mail" statt "Scenario 1". Ich sehe bei Kunden regelmäßig Dashboards voller "My scenario (copy) (2)", und bei 20+ Szenarien findet sich niemand mehr zurecht.
Wie bauen Sie Ihr erstes Szenario?
Jetzt wird es praktisch. Jede Kontaktanfrage, die jemand manuell in eine Tabelle überträgt, ist eine Fehlerquelle: Tippfehler in der E-Mail-Adresse, vergessene Einträge, verspätete Weiterleitung. Laut Gitnux reduziert Automatisierung solche Fehler um rund 70% (Gitnux, 2025).
Unser Szenario: Google-Formular ausgefüllt -> Daten in Google Sheets -> E-Mail an Sie.
Modul 1: Google Forms als Trigger
- Im Dashboard auf "Create a new scenario" klicken
- Auf das Plus-Symbol in der Mitte klicken
- "Google Forms" suchen und "Watch Responses" wählen
- Make.com fragt nach einer Connection. Auf "Add" klicken und sich mit Ihrem Google-Konto anmelden
Falls das Anmeldefenster nicht aufgeht: Prüfen Sie Ihren Pop-up-Blocker. Das ist mit Abstand der häufigste Stolperstein bei der Ersteinrichtung.
- Das gewünschte Formular aus der Liste wählen
- "OK" klicken
Modul 2: Daten in Google Sheets speichern
- Auf das kleine Plus-Symbol rechts neben dem Google-Forms-Modul klicken
- "Google Sheets" suchen, "Add a Row" wählen
- Google-Konto verbinden (falls noch nicht geschehen)
- Ziel-Tabelle und Arbeitsblatt auswählen
- Felder zuordnen: Make.com zeigt Ihnen die Spalten Ihrer Tabelle. Daneben sehen Sie die Felder aus dem Formular. Name zu Name, E-Mail zu E-Mail, Nachricht zu Nachricht.
Modul 3: E-Mail-Benachrichtigung
- Wieder auf Plus klicken, "Email" suchen
- "Send an Email" wählen
- Ihre E-Mail als Empfänger eingeben
- Betreff: "Neue Kontaktanfrage von {{Name}}". Die doppelten geschweiften Klammern ziehen den Namen automatisch aus dem Formular
- Im Textfeld die relevanten Felder einfügen: Name, E-Mail, Nachricht
Drei Module, verbunden. Das Szenario ist gebaut. Aber es läuft noch nicht, dafür kommt Schritt 3.
Wie testen und aktivieren Sie Ihr Szenario?
Nie ein Szenario aktivieren, ohne es vorher zu testen. In meinen 50+ Projekten habe ich kein einziges Szenario beim ersten Versuch fehlerfrei zum Laufen gebracht. Das ist normal, auch nach Jahren.
Testlauf mit "Run once"
- Unten links auf "Run once" klicken
- Ihr Google-Formular einmal testweise ausfüllen
- Beobachten, wie die Daten durch die Module fließen
Make.com zeigt bei jedem Modul, welche Daten rein- und rausgehen. Grüne Häkchen = alles in Ordnung. Rote Kreise = Fehler.
Execution History
Unter "History" finden Sie nach dem Testlauf eine Auflistung jeder Ausführung: welche Module liefen, welche Daten verarbeitet wurden, wie viele Operationen verbraucht wurden, wo es hakte.
Was viele nicht wissen: Sie können direkt in der History auf ein fehlerhaftes Modul klicken und sehen genau, welche Daten das Problem verursacht haben.
Scheduling einschalten
Wenn der Test grün ist:
- Den Scheduling-Toggle unten links von OFF auf ON stellen
- Intervall wählen, für Kontaktformulare reichen 15 Minuten
- Speichern (Disketten-Symbol oben)
Ab jetzt prüft Make.com alle 15 Minuten, ob neue Antworten vorliegen, und verarbeitet sie automatisch.
Ein Tipp, den ich jedem Kunden gebe: Testen Sie mit echten, aber harmlosen Daten. "Max Mustermann, max@test.de" statt Ihren echten Kundendaten. Falls etwas schiefgeht, landen keine echten Kontaktdaten im Nirgendwo.
Welche Automatisierungen lohnen sich für KMU sofort?
Ihr erstes Szenario steht. Was jetzt? Finance-Teams sparen durch Automatisierung im Schnitt $46.000 pro Jahr (Kissflow, 2025). Fünf Ideen, die sich schnell rechnen:
Kontaktformular ins CRM -- Genau das, was Sie gerade gebaut haben, nur statt Google Sheets fließen die Daten direkt in HubSpot, Pipedrive oder Airtable. Formular ausgefüllt, Lead angelegt, Vertrieb weiß Bescheid.
Rechnungseingang verarbeiten -- E-Mail mit Rechnung kommt rein, Make.com extrahiert die PDF, liest Betrag, Datum und Absender aus und legt alles strukturiert ab. Für DATEV-Nutzer: Die Daten lassen sich so aufbereiten, dass Ihr Steuerberater sie direkt importieren kann.
Social Media Verteilung -- Neuer Blogpost online? Make.com verteilt ihn auf LinkedIn, Instagram und Facebook. Sie schreiben einmal, der Rest passiert von allein. (Wir nutzen das selbst für diesen Blog.)
Terminbuchung mit Bestätigung -- Kunde bucht über Calendly, Make.com trägt den Termin ein, schickt dem Kunden eine SMS-Bestätigung und erstellt eine Aufgabe in Ihrem Projektmanagement-Tool.
Lead-Qualifizierung -- Nicht jeder Lead ist gleich wertvoll. Make.com kann eingehende Anfragen nach Unternehmensgröße, Branche und Budget bewerten. Heiße Leads bekommen sofort einen Anruf, kalte eine automatisierte E-Mail-Sequenz.
Ein Beispiel aus unserer Arbeit: Für eine Marketing-Agentur haben wir automatisierte Lead-Qualifizierung und einen AI-Caller implementiert. Ersparnis: $55.000 pro Jahr. Die Implementierung hatte sich in unter 3 Monaten bezahlt gemacht.
Mehr dazu: KI-Automatisierung für KMU: Der komplette Leitfaden | Alle Referenzen und Fallstudien
Welche Fehler machen Make.com-Anfänger am häufigsten?
Manche Fehler sehe ich bei fast jedem Kunden. Die gute Nachricht: Sie lassen sich in Minuten lösen.
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Connection expired | Token bei Google oder Microsoft abgelaufen | Connection löschen und neu verbinden. Bei Google: Drittanbieter-Zugriff in den Sicherheitseinstellungen prüfen |
| Operation limit reached | Free-Plan mit 1.000 Ops verbraucht | Operationen im Dashboard checken. Szenarien optimieren oder auf Core upgraden |
| Webhook URL falsch | Alte URL kopiert oder Szenario neu erstellt | Webhook-Modul öffnen, neue URL generieren, im Quellsystem aktualisieren |
| JSON-Parsing-Fehler | API liefert unerwartetes Format | "Parse JSON"-Modul dazwischenschalten. Datenstruktur im Testlauf prüfen |
| Szenario startet nicht | Scheduling nicht aktiviert oder Trigger falsch | Toggle unten links prüfen (steht er auf ON?). Trigger-Modul öffnen und Connection testen |
Falls Ihr Problem nicht dabei ist: Das Make.com Community-Forum ist überraschend aktiv. Ich bekomme dort meistens innerhalb von 24 Stunden eine brauchbare Antwort.
Häufig gestellte Fragen
Ist Make.com kostenlos?
Ja. Der Free-Plan bietet 1.000 Operationen pro Monat und 2 aktive Szenarien, ohne Kreditkarte. Für den Einstieg reicht das. Wer mehr braucht, zahlt ab $10,59/Monat (Make).
Was ist besser, Make.com oder Zapier?
Für einfache Zwei-Schritt-Automatisierungen reicht Zapier. Sobald Workflows Verzweigungen oder Schleifen brauchen, ist Make.com besser und oft 50-70% günstiger bei vergleichbarer Nutzung.
Brauche ich Programmierkenntnisse?
Nein. Alles funktioniert per Drag-and-Drop. Ein grundlegendes Verständnis von Datenstrukturen hilft, ist aber keine Voraussetzung.
Wie viel Zeit spart Make.com?
Hängt vom Prozess ab. Bei unseren Kundenprojekten sehen wir 5-15 Stunden Zeitersparnis pro Woche, je nach Anzahl der automatisierten Prozesse. Ein einzelner Workflow wie der aus diesem Tutorial spart vielleicht 30 Minuten am Tag. Das summiert sich.
Kann man Make.com mit DATEV verbinden?
Nicht direkt, DATEV hat keine offene API für Make.com. Aber Sie können Daten so aufbereiten, dass Ihr Steuerberater sie per DATEV-Import einlesen kann: CSV-Export aus Make.com, strukturiert nach DATEV-Vorgaben. Mehrere unserer Kunden arbeiten so.
Fazit
36% der deutschen Unternehmen nutzen bereits KI (Bitkom, 2025). Gleichzeitig berichten 82% der KMU von erheblichen Kompetenzlücken beim Thema (maximal.digital, 2025). Make.com ist ein guter Einstieg, weil Sie kein Fachwissen brauchen und trotzdem echte Prozesse automatisieren.
Sie haben gerade Ihren ersten Workflow gebaut. Kostenlos, ohne Code, in 30 Minuten. Von hier aus geht es weiter: CRM-Anbindung, Rechnungsverarbeitung, Lead-Scoring. Die Basis steht.
Mein Vorschlag: Überlegen Sie, welcher Prozess Sie jede Woche am meisten nervt, und automatisieren Sie genau den als nächstes. Falls Sie dabei Unterstützung wollen -- ich bin Make.com-zertifiziert (alle 4 Stufen) und habe über 50 Automatisierungsprojekte umgesetzt.
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren -- 30 Minuten, in denen wir Ihre Prozesse durchgehen und die besten Kandidaten für Automatisierung identifizieren.
Weiterlesen: KI-Automatisierung für KMU: Der komplette Leitfaden